Empfehlungen zum therapeutischen Einsatz von Progesteron bei nicht tragenden Kühen ohne Gelbkörper

Was kann man tun, wenn eine Kuh nicht tragend wird?

Mangelnde Fruchtbarkeit ist der Hauptabgangsgrund für Milchkühe. Die Nutzungsdauer von Milchkühen beträgt im Durchschnitt 2,5 Laktationen. Schon länger beobachtet man den Trend, die Kühe länger im Bestand zu halten. Doch was kann man tun, wenn eine Kuh nicht tragend wird?

Zunächst einmal sollte eine Diagnose gestellt werden. Bis 30 % der nicht tragenden Kühe weisen am 32. Tag nach der künstlichen Besamung keinen Gelbkörper auf. Diese Kühe haben durch eine Progesteron Supplementierung große Chancen im Folgezyklus tragend zu werden.

Mit einem speziellen Progesteron-Protokoll wurden in einer Studie 46 % Trächtigkeitsraten bei erfolglos besamten Kühen ohne Gelbkörper erzielt.  In dieser Studie erfolgte an Tag 0 eine GnRH Injektion und die intravaginale Progesteron-Spange wurde für 7 Tage eingesetzt. Am Tag des Entfernens des Progesteron-Systems wurde PGF injiziert. 24 Stunden danach erfolgte eine zweite PGF-Gabe. Nach 32 Stunden wurde erneut GnRH gespritzt und weitere 16 Stunden später erfolgte die terminorientierte künstliche Besamung.

Die Ergebnisse sind herausragend. Im Vergleich zu einem normalen Ovsynch bei nicht tragenden Kühen ohne Gelbkörper werden mit dem modifizierten Verfahren bis 22 % höhere Trächtigkeitsraten (46 % zu 24 %) erzielt.

Der therapeutische Einsatz von Hormonen kann die Fruchtbarkeit der einzelnen Kühe verbessern! So können bis zu 46% dieser „Problemkühe“ tragend gemacht werden. Sie verbleiben auf dem Betrieb und leisten Ihren Beitrag zu einer verlängerten Nutzungsdauer und verbesserten Profitabilität.

Bei Fragen wenden Sie sich gern an Ihren Hoftierarzt.

   

Literatur

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